Wie kann ich in flexQgrid freie Netzkapazität mit meinen Nachbarn handeln?

In flexQgrid kommt in der gelben Ampelphase, die eintritt sobald ein potentieller Engpass prognostiziert wird, der Sekundärmarkt zum Tragen. Dieser bietet allen Haushalten, Anlagen sowie Speichern in dem betroffenen Netzgebiet (“Cluster”) die Möglichkeit, trotz einer einschränkenden Quote auf einem virtuellen Marktplatz zu handeln und so auch mehr Leistung einzuspeisen oder aus dem Netz zu beziehen als die Quote vorgibt. 

Natürlich muss kein Teilnehmer bei seinem Nachbarn anrufen und sagen “Ich müsste mein E-Auto laden, trotz Quote. Könntest du dein E-Auto kurz abstecken, damit meins geladen wird?”. Der Sekundärmarkt läuft vollautomatisch ab. Über das Gebäudeenergiemanagementsystem (“GEMS”) werden mit Hilfe künstlicher Intelligenz Gebote abgegeben, die z.B. aussagen, dass der eine Teilnehmer sein E-Auto unbedingt laden möchte, dies aber aufgrund der anliegenden Quote nicht kann. Wenn dieser Teilnehmer über sein GEMS anzeigt, dass er ggf. sogar bereit wäre etwas mehr zu zahlen, um die Quote zu überziehen, kann sein Gebot auf dem Markt mit den Geboten seiner Nachbarn gematched werden. So kann ein Speicher im selben Cluster etwas mehr ausspeichern und bekommt dafür sogar noch etwas Geld. Selbstverständlich werden die Gebote vollautomatisch generiert, an den Markt gesendet und dort gematched.

Der Sekundärmarkt

Der Sekundärmarkt versteigert somit das Recht, mehr zu verbrauchen oder zu erzeugen als man es eigentlich tun dürfte, ohne dass man die Quote unrechtmäßig verletzt. Somit ist die Gefahr eines Engpasses gebannt. 

Der Sekundärmarkt beruht auf dem erprobten Merit-Order Prinzip. Der Markt handelt in 15 Minuten Abschnitte und wird im Projekt in 2 Ausprägungen getestet. In der 1. Ausprägung wird 1 Markthandelsabschnitt vor dem Inkrafttreten der Quote, die für 6 Stunden konstant ist, ermöglicht. Dieser diskrete Markt wird in der 2. Ausprägung durch einen kontinuierlichen Markt abgelöst, der alle 15 Minuten handelt. In Simulationen haben wir bereits gezeigt, dass die Wohlfahrt der teilnehmenden Agenten am Markt durch einen Sekundärhandel um >= 10% gesteigert werden kann. Das Matching der Gebote kann bei bis zu 100 Marktteilnehmern innerhalb weniger Sekunden optimal gelöst werden. Die Quoten, Gebote und Marktergebnisse sowie der gesamte Prozessablauf werden transparent, diskriminierungsfrei, sicher verschlüsselt und nicht änderbar durch eigens entwickelte Smart Contracts auf der Blockchain gespeichert.

Durch das Zusammenspiel des Sekundärmarktes mit dem Netzbetreiber sowie der hard- und softwareseitigen Ausstattung in flexQgrid wird so eine dezentrale Methode eine dynamische, flexible Lösung von prognostizierten Engpässen geschaffen. Mehr Informationen über den Marktmechanismus sowie seine Ausprägungen wird es im Sommer in einem Paper geben, welches sich gerade noch im Peer-Review befindet. Seid gespannt, wenn wir mehr berichten.

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